Neues vom Biergasthof Riedberg

Blick von außen auf das Areal des Gästehauses von Orval
16
Juli

🍻 BIERGASTHOF RIEDBERG | ALLES Trappistenbier | Klosterreise 2024 – Teil 5

Teil 5: Orval – das letzte Kapitel

Das Kloster Orval, umgeben von Ruinen und Geschichte, empfängt uns mit offenen Armen. Geschäftsführer Phillipe führt uns tief hinein in die Welt der Brett-Hefen und Gärungskunst. Zum Abschied: ein Orval Vert, exklusiv im Kloster.

Unsere letzte Nacht verbringen wir in Luxemburg – mit einem mehrgängigen Biermenü bei einem Biersommelierkollegen. Ein würdiger Abschluss.

Zum Abschluss unserer Trappistenreise lohnt sich auch ein Blick auf die vorherigen Etappen: Zundert nach Westmalle, Westvleteren, Rochefort und Chimay.

Orval

Aufgrund der geografischen Lage im Dreiländereck Belgien/Frankreich/Luxemburg entscheiden wir uns für ein Quartier in Frankreich. Was uns hier erwartet, ist aber mehr als erschreckend. Dieser Norden von Frankreich ist in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts scheinbar „stehen geblieben“. Ich wusste zwar schon aus Erzählungen von Jos, dass dies eine extrem arme Gegend wäre, aber so schlimm hatte ich es nicht erwartet.

Wir versuchen, das Beste daraus zu machen und betreten das einzige Restaurant in diesem, ehrlich gesagt, sehr heruntergekommen Ort. Das Restaurant macht hingegen einen passablen Eindruck und auch das Essen ist nicht schlecht. Glück gehabt! Jetzt wird auch klar, warum man hier keine Hotels zum Buchen findet. Die haben schlichtweg – schon – geschlossen.

Wenn wir morgen noch etwas Ordentliches zum Frühstück finden, dann passt es ja. Und Pralinen bzw. Schokolade brauchen wir auch noch – und Käse. Das klingt nach einem Auftrag!

Die Müdigkeit übermannt mich, daher kann ich trotz beinahe unerträglicher Hitze bis 7 Uhr durchschlafen. Google Maps zeigt eine Frühstücksmöglichkeit ums Eck an. Mein Vater meint, es wäre das gleiche Lokal, wo wir zu Abend gegessen hatten. „Nein, das muss ein paar Meter weiter auf der anderen Straßenseite sein“, will ich noch sagen, da hat er es auch schon entdeckt.

Es handelt sich wieder einmal um eine Zuckerbäckerei oder Patisserie, wie man es hier nennt. Bei uns wäre es wohl eine Konditorei. Also gibt es wieder einmal ein süßes Frühstück, ich werde mich wohl nie daran gewöhnen. Aber es ist nicht schlecht. Die Marmelade wird von der guten Seele des Hauses „a la minute“, wie wir in der Küche sagen, aus einem großen Glas in die kleinen Gläser gefüllt. Das ringt mir dann doch ein Lächeln ab. Der Tee ist aber ungenießbar, den lasse ich dann doch stehen. Dafür fasse ich nochmal Marmelade nach, die schmeckt ausgezeichnet. „Wir haben noch zwei Stunden Zeit bis zu unserem Termin bei Orval“. „Besuchen wir die Burg vor Ort?“. „Bei dem Wetter?“. Es regnet in Strömen.

Ein schlichtes französisches Frühstück unterwegs nach Orval – einfach, bodenständig und genau richtig für den Start in den Tag.

Spartanisches Frühstück in Frankreich

Wir versuchen uns den Weg mit dem Auto zu bahnen, vorbei an Hotels, in denen zwar Licht brennt, aber die trotzdem geschlossen scheinen. Auf der Burg angekommen, fahren wir eine Runde. Dort scheint ein kleiner Ort mit Restaurant, Souvenirgeschäften und auch Wohnhäusern zu sein. Insgesamt ist der Zustand aber nicht viel besser als im „eigentlichen“ Ort. Wir steigen nicht einmal aus, weil es so stark regnet.

Weiter geht’s ins Trappistenkloster Orval. Nur einen Katzensprung hinter der französischen Grenze und unweit der Grenze zu Luxemburg finden wir in der Nässe, aber wieder bei Sonnenschein, das Kloster Orval. Zahlreiche Besucher:innen säumen schon die Parkplätze, sowohl im „A l’Ange Gardien“, dem offiziellen Verkostungslokal des Klosters, als auch direkt am Kloster. Wir sind zwar noch eine Stunde zu früh, aber wir wagen einen Blick ins Kloster und dann Richtung Brauerei. Vielleicht hat Philipe ja schon früher Zeit für uns?

Philippe erklärt uns die Besonderheiten der Gärung, der Hefe und des unverwechselbaren Charakters des Trappistenbiers Orval.

Phillipe erklärt uns die Besonderheiten der Gärung und der Hefe beim Trappistenbier Orval

Hier spricht man Französisch. Ein bisschen bin ich der Sprache ja doch mächtig. „Autriche?“. „Oui. Nous avons rendez-vous avec Monsieur Henroz“. Man erkennt uns und mich an der Lederhose als Österreicher. Kurz darauf erscheint Phillipe. Er ist Geschäftsführer von Orval und führt uns durch die Brauerei und das Kloster, aber er meinte, er hätte nur eine knappe Stunde Zeit.

Dann nichts wie los?! Wir beginnen – wie immer –  im Blitzeblank geputzten Sudhaus mit dem Rundgang. Alte, ehrwürdige Kupferkessel und Fenster mit Glasmalereien erinnern fast an sakrale Kirchenfenster, wenn auch die Motive Brauereiwürdigend sind. Das Logo begleitet uns auch auf Schritt und Tritt. Der Fisch mit dem Rind im Maul ist fast allgegenwertig. „Hier haben wie an die alte Klostermauer angebaut und die Produktion erweitert“, erklärt uns Phillipe.

Wie die meisten Trappistenbrauereien konnte auch Orval den Ausstoß steigern und musste sich überlegen, wie man die Produktion erweitert, ohne das Klosterensemble, das ja selbstverständlich denkmalgeschützt ist, zu erhalten und nicht zu stören oder gar verunstalten. „Da wir nicht in die Höhe bauen konnten – maximal 1 Stockwerk ist überirdisch möglich – mussten wir in die Tiefe gehen“. So geschah es, dass über dem Hof ein Reife- und Lagerkeller entstanden ist, welche unterirdisch mit einer Förderstraße verbunden ist, auf welcher die Kisten mit den abgefüllten Flaschen Ihren Weg sich bannen. „Hier haben wir 2 Lifte – einen zum Hochfahren und einen zum Runterfahren“ scherzt Phillipe. 3 Stockwerke tief geht es hier. Und riesige Lagerhallen findet man hier, wo das Bier in den Flaschen die 2. Gärung erlebt.

Kurz noch ein paar Worte zum Wachstum: Dieses ist bei Orval mit 2 % jährlich limitiert. Mehr darf nicht produziert werden. Die Nachfrage ist somit kontingentiert. Bestellt ein Händler oder Gastronom mehr Oval, bekommt er trotzdem nur die vereinbarte Menge. Deshalb ist das Orval eher selten in Supermärkten anzutreffen, weil es hier immer gleich von der ansässigen Gastronomie weg gekauft wird.

Und noch etwas zum Thema Nachhaltigkeit der Klosterbrauereien: Als Phillipe die Pläne für die Erweiterung und Erneuerung der Abfüllanlage präsentierte und die damit einhergehenden Mitarbeitereinsparungen kundtat, haben ihn die Mönche abgewiesen: Er solle doch ein neues Konzept präsentieren, welches die Arbeitsplätze der Beschäftigten sichert und die Einsparungen obsolet werden lässt. Sehr vorbildlich.

Die Führung endet bei einem Orval Vert, welches lediglich für das Kloster (in der Flasche) und für das Klosterlokal (im Fass) gebraut wird und etwas leichter ist als das klassische Orval Bier.

Obwohl das Kloster von zahllosen Besucher:innen beinahe gestürmt wird, wahrscheinlich auch aufgrund der Ruinen des ursprünglichen Klosters und des imposanten „neuen“ Klostergebäudes, ist die Brauerei sehr strikt mit Besuchen. Ähnlich wie bei Rochefort gibt es keine offizielle Führung. Lediglich einmal im Jahr wird ein „Tag der offenen Tür“ angeboten, wo man auch die Brauerei besichtigen kann.

Verkostung Orval VertVerkostung des Orval „Vert“ – jung, frisch und spannend als direkter Vergleich zum gereiften Orval.

Verkostung des Orval „Verte“

Heimreise über Luxemburg

Für unsere Rundreise markiert das Kloster Orval die letzte Station unserer Besuche der belgischen, traditionellen Trappistenklöster. Wieder in Frankreich besorgen wir noch Schokolade und Käse und „flüchten“ nach Luxemburg zu einem Biersommelierkollegen, welcher in Kleinbettingen ein Restaurant und Hotel betreibt. Wir gönnen uns ein mehrgängiges Bierdegustationsmenü, bevor wir uns am nächsten Tag mit dem Umweg über ein Oldtimertreffen auf den Nachhauseweg machen.

Ein genussreiches Abendessen rundet unseren Besuch ab und bietet den passenden kulinarischen Ausklang zur Reise nach Orval.

Genussreiches Abendessen

Abschließend möchte ich noch herzlichen Dank an Axel Kiesbye, Heinrich Wibmer und Markus Betz für die Unterstützung bei den Terminen mit den Klöstern sagen.

Wer plant, selbst die Klöster zu besichtigen, dem empfehle ich, entweder die offiziellen Besuchstermine abzuwarten oder mit mir Kontakt aufzunehmen. Vielleicht kann ich behilflich sein. Übrigens lagern in unserem einzigartigen Bierkeller sämtliche Biere jedes Trappistenklosters, das irgendwann einmal Bier gebraut hat (Stand 2024). Somit kann man auch bei uns im Biergasthof Riedberg eine Trappisten-Klosterreise machen und muss nicht 2.877 km im Auto verbringen. Darauf ein Bier!

Fazit: Wer eine Trappistenreise plant, dem empfehle ich: gute Vorbereitung oder gute Kontakte. Ich danke Axel Kiesbye, Heinrich Wibmer und Markus Betz für ihre Unterstützung. Und allen, die weniger Kilometer, aber genauso viel Geschmack erleben möchten: In unserem Bierkeller in Ried lagern alle Trappistenbiere der Welt.

Darauf ein Bier!

👉 Du willst auch auf Trappistenreise gehen – ganz ohne Auto? Dann besuch uns: https://www.riedberg.at/bierreise-finder/ 

Zum Abschluss unserer Trappistenreise lohnt sich auch ein Blick auf die vorherigen Etappen: Zundert nach Westmalle, Westvleteren, Rochefort und Chimay.

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