🍻 BIERGASTHOF RIEDBERG | ALLES Bierkulturreise | Irland 2026 Teil 4
2.900 Wörter | 12 Minuten Lesezeit
Die letzten Tage einer Reise sind oft etwas Besonderes. Man kennt die Gruppe inzwischen besser, hat unzählige Eindrücke gesammelt und beginnt langsam darüber nachzudenken, welche Erlebnisse einem besonders in Erinnerung bleiben werden. Genau so fühlte sich auch der letzte Abschnitt unserer Irland Bierkulturreise an.
Von einer kleinen Brauerei mitten im Nirgendwo über die älteste Bar Irlands bis zurück nach Dublin warteten noch einige Höhepunkte auf uns. Dazu kamen spannende Einblicke in die irische Bierkultur, überraschende Unterschiede beim Bierverkauf und natürlich noch einmal jede Menge Livemusik, Irish Coffee und gute Gespräche.
Bevor wir uns schließlich auf den Heimweg machten, sollte die Reise noch einmal zeigen, warum Irland weit mehr ist als Guinness, grüne Wiesen und Schafe.
Wobei Schafe natürlich trotzdem wieder vorkommen.
Irland Bierkulturreise 2026/Teil 4
Mescan Brewery, Sean’s Bar und das große Irland-Fazit
Die heutige Etappe
Der letzte vollständige Reisetag führte uns von einer kleinen Hinterhofbrauerei mitten im Westen Irlands über traditionelle Pubs und Livemusik bis zurück nach Dublin. Dazwischen lernten wir noch die Besonderheiten des irischen Bierverkaufs kennen, besuchten die älteste Bar Irlands und zogen langsam Bilanz über eine Woche voller Bier, Geschichten und Begegnungen.

Von einer kleinen Brauerei im Westen Irlands über die älteste Bar des Landes bis zurück nach Dublin: Die letzte Etappe hatte noch einige Höhepunkte zu bieten.
Teil 3 verpasst?
➜ Weiter zu Teil 3: Von den Cliffs of Moher nach Galway
Schafe auf der Straße und eine Brauerei mitten im Nirgendwo
Der Frühstücksraum war heute bis auf den letzten Platz gefüllt. Von gemütlichem Frühstück konnte also keine Rede sein. Dafür stand ein eher entspannter Reisetag auf dem Programm. Die Fahrstrecke war kurz, dafür veränderte sich die Landschaft deutlich. Die grünen Wiesen wurden steiniger. Die Hecken verschwanden. Und die Schafe schienen endgültig beschlossen zu haben, dass Straßen ebenfalls zu ihrem Lebensraum gehören.
Nach einem kurzen Fotostopp bei einem Denkmal am Fuße des Croagh Patrick führte uns die Reise weiter zur Mescan Brewery.

Nicht jede Sehenswürdigkeit Irlands steht in den Reiseführern. Manche erzählen ihre Geschichte still und unscheinbar am Straßenrand. Foto: Volker R. Quante (Brunnenbräu).
Mescan Brewery – Belgien trifft Irland
Wenn man glaubt, bereits abgelegene Brauereien gesehen zu haben, sollte man die Mescan Brewery besuchen. Hier sagen sich nicht einmal Fuchs und Henne gute Nacht. Mitten im Nirgendwo betreiben Kilian und seine Frau ihre kleine Brauerei. Bereits die Anfahrt ist ein Erlebnis. Die Einfahrt ist so schmal, dass Mia den Bus rückwärts hineinzirkeln musste. Da ein Umkehren praktisch unmöglich war, durfte ich diesmal als Einweiser fungieren.

Die Anfahrt zur Mescan Brewery war beinahe genauso spannend wie die anschließende Bierverkostung.
Die Brauerei selbst wirkt wie aus einem Lehrbuch für handwerkliche Kleinbrauereien. Platzmangel ist allgegenwärtig. Rohre, Behälter und technische Komponenten finden sich teilweise auch außerhalb der Gebäude. Genau das macht allerdings den Charme solcher Betriebe aus.

Die Mescan Brewery zeigt eindrucksvoll, wie kreative Lösungen entstehen, wenn handwerkliche Brauereien wachsen und der Platz begrenzt bleibt. Foto: Volker R. Quante (Brunnenbräu).
Belgische Wurzeln in Irland
Die Biere von Mescan unterscheiden sich deutlich von vielen anderen Brauereien der Reise. Der Grund dafür liegt in der Geschichte der Brauerei. Der erste Brauer arbeitete gemeinsam mit Kilian und war Belgier. Entsprechend stark sind die belgischen Einflüsse bis heute erkennbar. Natürlich wurden die Rezepte im Laufe der Jahre an den irischen Markt angepasst. Dennoch erkennt man die Herkunft vieler Ideen sofort. Begleitet wurde die Verkostung von kleinen regionalen Spezialitäten. Fast könnte man von irischen Tapas sprechen. Nachhaltigkeit, Regionalität und Qualität spielen hier eine zentrale Rolle.

Belgisch inspirierte Bierkultur auf irische Art: Kirschbier, regionaler Käse und hausgemachtes Zwiebelchutney.
Das Oyster Stout ohne Austern
Nach sieben verkosteten Bieren folgte das Finale. Ein Oyster Stout. Glücklicherweise wurde es nicht mit Austern serviert. Stattdessen reichte man dunkle, leicht gesalzene Schokolade mit Meersalz. Eine Kombination, die hervorragend funktionierte.

Austern im Bier, Meersalz in der Schokolade und eine überraschend harmonische Kombination im Glas und auf dem Teller.
Besonders spannend: Für das Bier wurden rund acht Kilogramm Austern verarbeitet. Zwei Kilogramm in Schalen und sechs Kilogramm als ganze Austern. Trotzdem war der Austerncharakter nur sehr dezent wahrnehmbar. Für mich gehörte Mescan zu den stärksten Brauereibesuchen der gesamten Reise. Vor allem das Lager überraschte mich positiv. Leicht kaltgehopft, mit feiner Hopfenaromatik und einer klaren Trinkfreude. Fast schon eine Art sanftes India Pale Lager. Auch das Saison und das Extra gefielen mir ausgezeichnet.

Vorne die Verkostung, hinten der Brauer. So sieht eine Bierkulturreise aus, wenn Leidenschaft und Fachwissen aufeinandertreffen.
BierIGologen-Stammtisch gesichert
Natürlich konnte ich die Brauerei nicht verlassen, ohne einige Flaschen für den BierIGologen-Stammtisch mitzunehmen. Die Auswahl fiel schwer. Ein gutes Zeichen.

Nicht jedes Bier schafft es in den BierIGologen-Stammtisch. Diese Kandidaten haben die Auswahl erfolgreich bestanden.
Bier kaufen in Irland – ganz anders als bei uns
Nach dem Brauereibesuch erreichten wir unser Hotel. Nicht weit entfernt befand sich ein SuperValu. Eigentlich wollte ich nur kurz hineinschauen. Daraus wurde ein kleines Interview mit dem Kassier.

In Irland steht Bier nicht einfach zwischen Nudeln und Waschmittel. Alkohol wird in eigenen Bereichen mit eigenen Regeln verkauft.
In Irland gelten beim Verkauf von Alkohol einige Besonderheiten. Bier, Spirituosen und Wein dürfen nicht zwischen den normalen Regalen stehen. Stattdessen befinden sie sich in einem eigenen Bereich mit eigener Kassa. Der Hintergrund: Menschen mit Alkoholproblemen sollen beim normalen Einkauf möglichst wenig mit Alkohol konfrontiert werden. Eine interessante Herangehensweise.
Auch klassische Bierkisten, wie wir sie kennen, sucht man vergeblich. Stattdessen werden sogenannte Boxes verkauft. Diese enthalten meist zwischen zehn und achtzehn Flaschen oder Dosen.
Ein Beispiel: 15 Flaschen Guinness für rund 25 Euro.
Auf die Frage nach Bieraktionen erhielt ich eine überraschende Antwort. Whiskey wird regelmäßig beworben. Bier hingegen kaum. Stattdessen gibt es häufig größere Gebinde zum selben Preis. Also etwa 0,5-Liter-Dosen statt 0,44 Liter. Ein durchaus interessanter Ansatz. Hier könnte man sich vielleicht das eine oder andere abschauen.

Wer durch ein irisches Bierregal geht, kommt an Guinness nicht vorbei. Die bekannteste Biermarke des Landes ist überall präsent.
Endlich alle an einem Tisch
Am Abend trafen wir uns im JJ Harlow’s.
Zum ersten Mal während der gesamten Reise saßen wir tatsächlich alle gemeinsam an einem Tisch. Ein erstaunliches Kunststück bei dieser Gruppengröße.

Eine Woche unterwegs, unzählige Pubs, Restaurants und Brauereien – und heute erstmals alle gemeinsam an einem einzigen Tisch.
Meine Sharing-Leidenschaft durfte natürlich ebenfalls wieder zum Einsatz kommen. Vorspeise: Geräucherter Lachs. Hauptgang: Fish & Chips. Dessert: Banoffee. Begleitet wurde das Ganze von einem Irish Coffee. Die Bierauswahl war diesmal eher überschaubar, also musste ausnahmsweise Kaffee mit Whiskey aushelfen.

Man reist nach Irland, um Neues zu entdecken. Und bestellt am Ende trotzdem wieder Fish & Chips.

Wenn nach Vorspeise und Hauptgang noch Platz für ein Dessert bleibt, sollte man die Gelegenheit nutzen.

Eigentlich wollte ich nur kurz etwas Warmes trinken. Dass daraus auf dieser Reise eine kleine Tradition werden würde, war zu diesem Zeitpunkt bereits absehbar.
Livemusik bis zur Sperrstunde
Als Abendprogramm stand ein Auftritt eines Musikers mit Verbindung zu den Chieftains auf dem Programm. Wer Irland besucht und keine traditionelle Livemusik erlebt, verpasst einen wichtigen Teil der Kultur.

Wer Irland verstehen möchte, sollte nicht nur Brauereien besuchen, sondern auch einen Abend mit traditioneller Livemusik erleben.
Wie so oft betrat man Raum um Raum und glaubte jedes Mal, bereits am Ende des Lokals angekommen zu sein. Doch hinter jeder Tür wartete noch ein weiterer Bereich. Ganz hinten schließlich die Bühne. Und davor eine beeindruckende Anzahl an Musikliebhabern.
Die Musik war äußerst traditionell. Wenig Gesang. Viel Instrumentalmusik. Genau so, wie man es sich in Irland erhofft.
Da es noch nicht spät genug war, kehrten Doris alias Miss Sophie und ich anschließend noch auf ein letztes kleines Bier an der Hotelbar ein. Schließlich war dies bereits unser letzter gemeinsamer Abend in Irland.

Nach einer Woche voller Brauereien, Pubs, Livemusik und gemeinsamer Erlebnisse war es Zeit für ein letztes Bier an der Hotelbar.
Sean’s Bar – die älteste Bar Irlands
Am nächsten Morgen führte uns die Reise nach Athlone. Dort befindet sich Sean’s Bar.

Ein besonderer Moment für Bier- und Kulturfreunde: Der erste Schritt in eine Schankstätte, in der seit mehr als tausend Jahren ausgeschenkt wird.
Die Bar gilt als älteste durchgehend betriebene Schankstätte Irlands. Bereits um das Jahr 900 finden sich erste Erwähnungen. Bis heute wird hier ausgeschenkt. Zur Erinnerung an vergangene Zeiten werden noch immer Sägespäne auf dem Boden verteilt. Ein schönes Detail, das den historischen Charakter unterstreicht.
Natürlich gönnte ich mir auch hier einen Irish Coffee. Man muss schließlich die lokalen Spezialitäten würdigen.

Ein Irish Coffee in der ältesten Bar Irlands schmeckt vielleicht nicht automatisch besser – die Umgebung macht ihn aber definitiv besonderer.
Dead Centre Brewing
Nur wenige Gehminuten entfernt befindet sich die Dead Centre Brewing.

Während Liam die Besonderheiten seiner Brauerei erklärt, wird schnell klar: In Irland wird oft pragmatisch, kreativ und mit viel Leidenschaft gebraut.
Brauer Liam betreibt hier eines der wenigen echten Brewpubs, die wir während der Reise besucht haben. Die rechtlichen Rahmenbedingungen machen solche Konzepte in Irland nicht gerade einfach. Gebraut wird pragmatisch und effizient. Single Infusion. Malzsteuerung statt komplizierter Maischprogramme. Wenig Schnickschnack. Aufgrund des Platzmangels wird das Malz bereits geschrotet angeliefert. Liam bereitet viele Arbeitsschritte bereits am Vortag vor, sodass er am Brautag frühmorgens direkt starten kann.

Kein Konferenzraum, keine PowerPoint-Präsentation. Liam nimmt auf der Treppe Platz und erzählt die Geschichte seiner Brauerei dort, wo das Bier entsteht. Foto: Volker R. Quante (Brunnenbräu).
Besonders in Erinnerung blieben das Red Sunrise Red Ale, das Seeking Sunshine Pale Ale und das Free Return Trajectory Cherry Sour. Wie so oft auf dieser Reise waren die Biere sauber gebraut und bewusst an den irischen Markt angepasst.

Red Ale, Pale Ale, Cherry Sour und weitere Spezialitäten zeigten, wie vielfältig die kleine Brauerei mitten in Athlone arbeitet.
Sláinte!
Das war unsere Reise
Die rot markierten Stationen zeigen die gesamte Route unserer Irland Bierkulturreise 2026.

Die Karte zeigt alle Stationen unserer einwöchigen Bierkulturreise durch Irland. Gemeinsam mit Mia von Brewery Hops of Ireland und den Teilnehmern der BierIG besuchten wir Brauereien, historische Sehenswürdigkeiten, traditionelle Pubs und einige der schönsten Regionen der grünen Insel.
Die Karte zeigt alle Stationen unserer einwöchigen Bierkulturreise durch Irland. Gemeinsam mit Mia von Brewery Hops of Ireland und den Teilnehmern der BierIG besuchten wir Brauereien, historische Sehenswürdigkeiten, traditionelle Pubs und einige der schönsten Regionen der grünen Insel.
Von Dublin bis Galway, von modernen Craftbier-Brauereien bis zu traditionellen Pubs: Die Reise hatte noch viele Höhepunkte zu bieten. Wenn Sie keinen Teil verpassen möchten, schauen Sie in den nächsten Tagen wieder vorbei oder stöbern Sie in unseren weiteren Beiträgen rund um Bier, Bierkultur und Bierreisen.
Die Reise von Anfang an erleben
Falls Sie erst jetzt eingestiegen sind oder einzelne Stationen unserer Irland Bierkulturreise 2026 nachlesen möchten:
➜ Teil 1: Von Dublin über Wicklow Wolf nach Kilkenny
➜ Teil 2: Vom Rock of Cashel an die Atlantikküste
➜ Teil 3: Von den Cliffs of Moher nach Galway
Vielleicht war dies nicht unsere letzte Reise auf die grüne Insel.
Wer weiß, welche Brauereien, Pubs und Geschichten dort noch auf uns warten.
Sláinte!
Lust auf bierige Reisen?
Im Biergasthof Riedberg sammeln wir laufend Ideen, Erfahrungen und Reiseziele für Bierbegeisterte. Weitere Bierreisen finden Sie hier:
https://www.riedberg.at/bierreise-finder/
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Darauf ein Bier!