(Un-) Nützliches Bier Wissen | Warum eine Kiste Bier so billig ist
– und was das über uns sagt?
Märzenbier als Lockartikel im Lebensmitteleinzelhandel – seit Jahrzehnten unter Wert verkauft.
Du stehst im Supermarkt. 20 Flaschen Bier, 0,5 Liter. Preis: 13,80 Euro.
„Na schau“, denkst du dir vielleicht, „wird eh schon wieder teurer.“
Aber stimmt das?
Wenn man genauer hinschaut, offenbart sich ein preispolitischer Irrsinn: Bier ist seit rund 30 Jahren nicht wirklich teurer geworden. Und das, obwohl alles andere längst im Preis explodiert ist.
Der Preis steht still – seit den 90ern
Der letzte mir bekannte Preis für lokales, regionales Märzenbier im österreichischen Schilling:
139,– Schilling in Aktion
159,– Schilling als Kurantpreis
Das entspricht – umgerechnet – etwa 10,– bis 11,60 Euro pro Kiste.
Und siehe da: Auch heute, drei Jahrzehnte später, bekommst du eine Kiste Standard-Märzen noch immer um 13,80 Euro.
Und inflationsbereinigt?
Da müssten wir bei rund 27 bis 28 Euro pro Kiste liegen. Mindestens.
Neugierig geworden? Deine Bierreise ins Innviertel sichern
Live aus dem Supermarkt – ein Selbstversuch
Bei den Dreharbeiten zu meiner YouTube-Serie „50 Fehler beim Biertrinken“ war ich kürzlich in einem heimischen Supermarkt unterwegs. Und siehe da – Bier war wieder mal in der hintersten Ecke versteckt, kurz vorm Lager, gefühlt gleich neben dem Notausgang.
Ein Zufall? Ganz und gar nicht.
👉 Hier geht’s (demnächst) zum aktuellen Video:
https://youtube.com/shorts/ml0qVMrOZCA (Eines der früheren Videos der Serie)
Das hat System.
Denn Bier (so wie auch Windeln oder Waschpulver) ist ein strategischer Lockartikel, der dafür sorgt, dass du den gesamten Markt durchwanderst (Kaufanreiz + Kaufimpuls). Und noch mehr:
Eine Kiste Bier wiegt
Man braucht einen Einkaufswagen
Wer mit dem Auto kommt, bleibt gleich länger
Und wenn man schon da ist, nimmt man halt noch… das, das, das und das mit – man kauft mehr.
Das nennt man im Handel „Umwegrentabilität“ – und das Märzen ist das stille Opfer dieser Strategie.
Ein Produkt wird entwertet
Märzenbier – der meistverkaufte Bierstil Österreichs – ist zu einem Werkzeug der Einkaufspsychologie geworden. Es soll anziehen, verführen, dabei halten.
Dabei wird der eigentliche Wert des Produkts systematisch zerstört:
Preis wird gedrückt.
Qualität wird zur Nebensache.
Kleine Brauereien werden aus dem Regal gedrängt.
Und der Konsument lernt: „Bier darf nichts kosten.“
Und wer ist schuld?
Vielleicht alle ein bisschen.
Der Handel, der auf Masse setzt.
Die Produzenten, die mitspielen (müssen).
Und wir Konsumenten, die „günstig“ mit „gut“ verwechseln.
Fazit: Ein Bier hat mehr verdient
Wenn wir Bier ernst nehmen – als Kulturgut, als Handwerk, als Lebensmittel – dann müssen wir auch bereit sein, ihm seinen Preis zuzugestehen.
Nicht den billigsten, sondern den gerechten.
Darum, liebe Bierfreunde: Beim nächsten Mal, wenn du dir denkst „Das Märzen war aber teuer“, frag dich lieber:
„Was sollte es eigentlich kosten?“
Denn echte Qualität ist nie billig. Und ehrliches Bier war noch nie umsonst.
Darauf ein bewusst bezahltes Bier. Und ein ehrlich gefüllter Einkaufswagen.
Kauft „Euer“ Bier bei der heimischen Brauerei direkt am Brauereihof. Es ist die 3-4 EUR mehr wirklich wert! Darauf ein Bier!
Und jetzt Du! Welches ist Deine Lieblingsbiermarke und wo kaufst Du Sie am häufigsten?
👉 Noch mehr (Un‑) Nützliches Bierwissen?
Besuch uns auf www.riedberg.at/bier – oder besser gleich auf ein „echtes“, frisch gezapftes Bier im Wirtshaus.
Die österreichischen Gazetten haben dazu auch schon berichtet:
Ein Bericht von 2012 (!) aus der SN weißt bereits auf die Thematik hin: https://www.sn.at/salzburg/wirtschaft/bier-ist-billig-wie-vor-20-jahren-6126673
Auch die Kronenzeitung wusste zu berichten:
https://www.krone.at/2904812