Neues vom Biergasthof Riedberg

23
Aug

Riga Craft Beer Fest 2016

Zu sechst wagten wir uns in einen Baltikstaat, der versucht, sich von seinen russischen Wurzeln zu lösen und westlich zu wirken. Mit Höhepunkten, aber auch – zumindest im Bereich der Spezialbiere („Craftbiere“) – Tiefpunkten, Überraschungen und Lesenswertem. 3 Tage und 3 Nächte im Zeichen der Bierkultur: 19. bis 22. August 2016 – Riga, LV

Es ist dies der Versuch, die Stimmung und Eindrücke wiederzugeben. Darauf ein Bier und viel Spaß beim Lesen!

TAG 1 – Freitag, 19. August 2016

Abfahrt 5.22 Uhr in Ried im Innkreis – Abholung von Martin Seidl, wie üblich am Kreisverkehr in Weng. Weiterfahrt nach München über die B12 zum Flughafen Franz-Josef-Strauss. Gleich mal eingecheckt und die obligatorischen Weißwürste samt HB Weißbier verschlungen. Frühstück muss ja auch sein. 3 Weißwürste, das langt auch für einen ausgewachsenen Innviertler. Beim Bier musste aber Nachschub bestellt (geholt) werden. War ja auch zu erwarten.

Flughafen_Bier

Frühschoppen am Flughafen München

Kurz vor Abflug treffen wir noch Robert, Christian, Walter und Rudi, die uns begleiten werden. Nach langweiligem Flug – ohne besondere Vorkommnisse – wo es schon mal um Euro 6,– das vermeintlich Einheimische Bier zum Kosten gab –  geht es schon ins gebuchte Transfertaxi und ab nach Riga, in die Hauptstadt Lettlands, zum gebuchten Hotel. Check In. Danach ins Restaurant, mal das „wirklich“ einheimische Bier verkosten. Das „Dunkle“ fand allgemein Anklang, wohingegen das „Helle“ eher gewöhnungsbedürftig war. Aber alle Biere durchaus stärker als bei uns. Wie im Osten (Ostblock hört sich so alt an) eben scheinbar üblich.

Die3_im_flugzeug

Platzmangel im Flieger!

Bier_Flugzeug

Gewöhnen ans Bier

Transfer

Transferdienst ins Hotel

Bier_Hotel

Das bessere Bier

Mit W-Lan aus dem Hotel bewaffnet erkunden wir mal die Restaurants und Bierkneippen auf Ratebeer und Tripadvisor. Beides ausgemacht und in den analogen Stadtplan übertragen. Jetzt wird die Stadt zu Fuß unsicher gemacht. Verschiedene Baustile und Kulturen prallen hier aufeinander. Ruinen, dazwischen wieder moderne Häuser und unverputzte Fassaden zeugen von Abrissen oder Zerbombungen. Parks und Grünflächen gibt es überraschend viele. Sehr gepflegt und großzügig angelegt. Da könnten unsere Städte durchaus was lernen.

Die TAKA Bar ist das am besten bewertete Lokal in Lettland. Auf der Suche danach, wären wir fast vorbei gelaufen. Von außen ist es nicht als Bierpub erkennbar. Innen sehr rustikal und spärlich eingerichtet, wie man eben  – mittlerweile auch bei uns in Österreich – Lokale einrichtet. Gemischter Möbelstil. Beim betreten fällt aber gleich die Bierselektion an der Bar auf. Eine Bierkarte gibt es auch. Herz, was willst Du mehr. Bzgl. Jause oder neudeutsch Snack ist die Auswahl schon überschaubarer. Gratinierte Kartoffeln oder gerollte und mit Chili con Carne gefüllte Maispalatschinken – der Name dafür ist mir entfallen – ist die Gesamtauswahl, aber auch nur begrenzt. Wir versuchen für alle Etwas zu bestellen. Bei den Bieren hat’s funktioniert, beim Essen? Wir werden sehen? Nach einer halben Stunde werden drei Portionen serviert. Und der Rest? Sorry, Guys – man spricht im Übrigen englisch – just one portion left! Ok, da wird Schmalhans zum Küchenmeister. Ungezählte Biere, davon viele Einheimische mit durchaus überzeugender Qualität, als auch bekannte Internationale Biere – vorwiegend BrewDog und Mikkkeller, später, regt sich teilweise schon wieder, teilweise noch immer, der Hunger.

BierKneipe

Nr. 1 in Riga laut Ratebeer: TAKA Bar

Bier_Kneipe

Beachtliche Bierauswahl

Essen_Bier_Kneippe

Die letzte Portion erkämpft

Gut, dass wir auf Tripadvisor schon recherchiert haben. Das Restaurant „Cemodans“ liegt gefühlt nicht weit weg. Perfekt. Halbe Stunde Fußmarsch später sollten wir es erreicht haben. Die vier kleinen Tische im Freien sind für die Uhrzeit – es ist etwa halb Sieben Uhr abends, noch wenig frequentiert. Hoffentlich ist das kein negatives Zeichen? Wir setzen uns getrennt – einmal zwei Personen, einmal zu Viert an die Tische, da die beiden anderen von jeweils einer Person besetzt sind und wir in der Kommunikation nicht durchdringen, dass sich einer der Beiden umsetzen soll, damit wir uns zusammen setzen könnten. Martin und ich vereinbaren, dass wir uns die Speisen zu Zweit teilen und somit einen besseren Überblick über das Gebotene bekommen können. Ich bestelle – in Absprache – mal jeweils vier Gänge, dass Mittagessen war ja ausgefallen. Teilweise haben wir Fotos dazu gemacht, wo Details zu sehen sind. Es war – Martins und meiner Meinung nach – schlichtweg perfekt. Vom Preis noch annehmbar, was man im Zentrum nicht mehr ganz so behaupten kann, dazu aber später.

Restaurant

bunte und vielversprechende Häuser

Abendrestaurant

Getrennte Sitzplätze bei Regen

T-Bone_Steak

ALLES Steak in Riga: T-Bone

Da die Nacht noch jung war, suchten wir uns am Weg noch eine Kneippe, wo es eine vermeintlich gute Bierauswahl gibt. Nur wenige Schritte weiter wurden wir – diesmal eher zufällig – schon wieder fündig. 10 Zapfhähne, hier sollte es doch perfektes Bier geben, und so orderten wir gleich mal für alle ein anderes Bier. Auffällig wird, dass sehr viele Gäste das Lokal mit in Plastiksäcken, in Plastikflaschen gefüllten Bier verlassen. Beim Barkeeper (Wirt?) nachgefragt, erklärt er uns, dass – wie am Foto ersichtlich – sämtliche Zapfhähne mit Flaschen-Abfüllsystemen ausgestattet sind. Die Aufnahme scheint aber für PET Flaschen ausgelegt zu sein. Sehr interessant. Habe mir mal die Internetadresse geben lassen … Der Abend endet getrennt. 3 von uns gehen zu Fuß ins Hotel – auch ich – 3 bleiben noch länger. Gute Nacht!

Absacker

Absacker in der letzten Bar

Absacker_Innovation

Genau hinsehen: Zwischenstücke zum Flaschen füllen

TAG 2 – Samstag, 20. August 2016

(Craft) Bierfest Riga – heute wird es ernst!

Frühstück: Auswahl passt, alles da, was man sich wünscht. Speck, Wurst, Warm/Kalt, Brot, Toast, Marmelade, süßes Gebäck, Tee, Fruchtsaft,… So gestärkt, heißt es die Altstadt erkunden. Riga ist die Stadt des Bernsteins und der Katzen. Daher liegt es nur nahe, dass wir kleine Souvenirs für die zuhause Gebliebenen kaufen. Da wir die Strecken zu Fuß zurück gelegt haben, müssen wir auch mal wieder rasten. Kleines Mittagessen inklusive, in einem Irish Pub mit dem Namen „Queens„. Die Qualität des Essens kann mit jenem des Vortages nicht mit halten, dafür ist es teurer. Martin hat sich für ein landestypisches Gericht entschieden: geräucherte Schweinsohren. Gewöhnungsbedürftig. Um 14 Uhr begeben wir uns über den Platz des Schwarzhäupterhauses (Wahrzeichen) in Richtung Hauptstraße, um mit dem Taxi (Wucher!! – wir bezahlten Euro 32,–, wohingegen die 1. Partie lediglich Euro 12,– bezahlte?) zum Craft Beer Fest Riga. Angekommen heißt es erst mal Anstehen, wie damals …

Nationalgericht

geräucherte Schweinsohren

Fish and Chips

Klassiker der englischen Küche: Fish and Chips

Eierschwammerlsuppe

Eierschwammerlsuppe mal anders: als Sterz

700 g Burger

ALLES Burger in Riga: 700 g Teil

Pils_Strasse

Auch die Straßennamen haben’s in sich!

Außerdem dürfen wir ohnehin noch nicht hinein. Bringt auch nichts, da der Rest der Truppe bei der Kassa ansteht. Nicht weil so viele Besucher da sind, sondern weil man den Verkauf noch nicht gestartet hat. Alles im Freien unter kleinen 3 x 3 Meter Zelten der ehemaligen Brauerei, Welche, Modern, wieder auferstanden zu sein scheint, aber viel kleiner als sie schon mal gewesen sein dürfte. Die 1. Session startet um 15 Uhr, die 2. Session um 18.30 Uhr. Daher heißt es nicht viel Zeit verlieren. Nach kurzem Besuch des Brauereimuseums geht’s schon zu besagten Ständen. Wir beginnen gleich bei Mikkeller und arbeiten uns weiter nach vorne. Teilweise kämpfen die Aussteller bzw. Ausschenker – nicht bei allen Ständen sind Brauer, Verkäufer oder Brauereiangehörige Mitarbeiter vertreten – noch mit den Tücken der Technik, weshalb es noch kein Bier gibt. Etwa 30 Stände mit je 2 Getränken – es gab auch einige Stände mit Cider – haben wir vor uns. Soviel kann ich schon vorweg nehmen. Die 1. Session haben wir vollständig genutzt und – ich persönlich – auch jedes Bier gekostet, mit Ausnahme der angebotenen Cider – ist ja auch kein Bier. Bei der 2. Session haben wir lediglich die vermeintlich „besseren“ und interessanteren Stände und Biere frequentiert.

Grundsätzlich: Es gab an allen Ständen experimentelle Biere. Ein einziger Stand hatte „normales“ Kellerbier im Angebot. Dieser war von einer deutschen Brauerei, war aber so gut wie nie besetzt. Am häufigsten dürfte jede Art von IPA vertreten gewesen sein (wie zuletzt 2015 auf der BKL in München), gefolgt von zahlreichen Gösen – also Gose – ein Bierstil, der bei uns nicht für große Furore sorgt, oftmals zurecht. Insgesamt waren die Biere allesamt sehr überschaubar, mit einigen, ruhmreichen Ausnahmen – wobei jeder in unserer Truppe seinen eigenen Favoriten hatte. Hier meine ganz persönlichen „besten“ Biere: Ein Kokosnuss – Vanille – Porter mit 4,5 % Vol. Alk., Yin von Evil Twin und Soft Dookie (beide Imperial Stout), Cervisiam Jungle Juice, St. Feuillien Saison, … (Siehe auch Bierliste am Ende des Beitrags!). Durchwegs Vertreter mit Brauern aus USA und Westeuropa. Die russischen Biere waren meist von überschaubarer Qualität. Hier wird es wohl noch einige Zeit benötigen, bis sich auch hier die Anforderungen an perfektes Bier durchsetzen. Nichts desto trotz waren wieder inspirierende Dinge mit dabei: An einem Stand der Brauerei Raudonu Plytu gab es Bierkaramell mit Nüssen und Malz sowie Beef jerky – welches in IPA eingelegt wurde, sowie ein Rasierset mit Hopfen in der Seife. Sehr spannend!

Interessante Gespräche konnte ich mit Vertretern so mancher westeuropäischer Brauereien führen, bezüglich unserer Biermesse in Ried, Bierologenstammtisch, Bierimport nach Österreich usw. Wieder einige Personen im Netzwerk dazu gewonnen. Darauf ein Bier!

Nur noch so nebenbei: Die gespielte Musik war unnötig, nervig, laut und hinderlich der Kommunikation …

Stände_Biermesse

Das Festival fand im Freien unter Zelten der ansässigen Brauerei statt

Stand_Detail

Raudonu Plytu – Innovative Brauerei was Bierprodukte betrifft


Brauerei_Ruine
Brauerei_Ruine2    Geile_BiereCervisiam  Rasierzeug Beute 

Am späten Abend hatten wir erst mal genug von Bier und Verkosten und bemühten ein Taxi – nicht ohne vorher den Preis zu erfragen – uns ins Hotel zurück zu fahren. Kurz frisch machen und danach ging es wieder zurück in die Altstadt. Bummeln und genießen. Im Peters Brauwirtshaus haben wir das Abendessen eingenommen. Wir bestellen uns gleich mal ein Tastingboard. Bierqualität – heimisches Bier, hier im Wirtshaus gebraut? – durchschnittlich. Essen? Durchschnittlich. Damit die einkehrende Müdigkeit nicht überhand nimmt, schlendern wir durch die Altstadt und werden abermals fündig: Ein Irish Pub (Paddy Whelan’s Pub) hat es uns diesmal angetan. Bierauswahl auf Tafel, erweitert um eine Bierkarte schon mal sehr vorbildlich. Inhaltlich war dann aber doch das eine oder andere Bier schon vergriffen. Schade. Aber zumindest zählt der Versuch. Wir kosten uns von Bier zu Bier durch. Martin hat seine Freude mit dem Roquefort 10, Rudi und Walter bleiben bei den IPA’s hängen, ich koste mich durch die Karte. Somit ist für jeden was dabei. Ein Lokalwechsel musste auch noch sein, da das Irish Pub um 2 Uhr zu sperrt. Gott sei Dank ist über die Strasse die nächste Kneippe, die noch offen hat.

 Biertasting
Angebotstafel
 Irish_Pub Absacker2 Speisekarte_Dom Warten_auf_Heimflug

TAG 3 – Sonntag, 21. August 2016

Heute war erst mal ausschlafen angesagt. Beinahe hätte ich das Frühstück – welches bis 11 Uhr serviert wird – auch noch verpasst. Heute stehen keine Besonderheiten mehr auf dem Programm, da man sich schon auf das Heimfliegen vorbereitet. Wir besuchen wieder die Altstadt, besorgen noch einige Souvenirs und bleiben bei einem Wirtshaus am Dom (Doma Darzs) hängen. Einheimisches Bier und Kleinigkeiten zum Essen. Im Nu war die Zeit vergangen und wir machten uns auf den Weg zum Flughafen, da ja unser Flieger sehr früh ging und wir aus dem Hotel ausgecheckt haben. Den eher langen Aufenthalt am Flughafen „versüßten“ wir uns mit einheimischen Bieren aus dem Duty free Shop.

Zusammenfassung: Riga ist eine schöne Stadt mit zahlreichen Kirchen, variantenreichen Gebäudestilen und einer doch entstehenden Bierkultur. Da sämtliche (Amts-?)Tafeln in drei Sprachen angeschrieben sind, vermute ich, dass es immer ein umfehdeter Ort bzw. Staat war, auch was den Glauben betrifft (Kirchenanzahl!). Beim Bier lässt sich fast ähnliches Ausmachen: die heimischen Biere sind durchwegs Stark – von 5,2 % vol. alk aufwärts – und von unterschiedlicher Güte. Die bekannten Spezial(Craft-)biergrößen sind aber auch schon allesamt vertreten. Beim Craft Beer Fest zeigte sich deutlich, dass der Westen in punkto Qualität und Art der Biere/Bierstile (noch?) den Takt vorgibt. Gose und Cider waren dazu im Übermaß vertreten. Die vermeintlich besseren Biere kamen aber aus Belgien, Norwegen und den USA. Nichts desto trotz ein schöner Ausflug. Danke an Elli fürs Organisieren. Es hat alles perfekt geklappt und gepasst. Darauf ein Bier!

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Bierliste Samstag – beide Sessions

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Bierliste Freitag – ging an uns vorbei!

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